Immobilien und Wohnungen

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PostPosted: 2001-05-18 14:45:00
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Joined: 2001-05-18 14:45:00
Im Uni-Spiegel erschien ein Interview mit Gerkan über das Architektur-Studium
in Deutschland:
ARCHITEKTURSTUDIUM
"Zu viele auf dem Kuschelsofa"
An der Architektenausbildung lässt Meinhard von Gerkan kein gutes Haar:
"Da wird ein unglaubliches Potenzial vergeudet",
zürnt der Star der Bauwelt und plädiert für eine neue Struktur des Studiums

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,126497,00.html


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PostPosted: 2001-05-18 15:30:32
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On Fri, 18 May 2001 13:45:00 +0100, "simon crowder"
<s.crow...@gmx.net> wrote:

Hi Simon,
selbiger Tenor im Leitartikel der letzten Ausgabe des
Architektenblattes :-(
Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, daß
man als Architekturstudent als "Volltrottel" (ich selbst)
in der Regel entlassen wird.
Die sogenannte "gestalterische Ausbildung" ist auch eher
für die Katz, da man sich nach dem Geschmack des
Professors richten muß, d.h. ästhetisches Diktat um
nicht mit einem "gerade noch" Testat davonzukommen.
Mein Zeugs war auch alles nur "gerade noch",
"gnadenhalber" :-))
Was an den Universitäten angerichtet wird ist meines
Erachtens grausam gegenüber den Studenten. Die
meisten die ich kannte haben dann eh abgebrochen
oder machen aus lauter Frust was anderes. Manche
haben schlichtweg den Überblick verloren und sind
in eine Nische geflüchtet ...
Da gehört der Elfenbeinturm mal kräftig ausgeräuchert
oder gänzlich niedergebrannt, insbesondere gehören die Profs
rausgeschmissen die bei vollem Honorar max. einmal die
Woche kommen - und dann die Studis alleine lassen um
ihren kleinen Professorennebenjobs zu fröhnen.
Des weiteren gehört allen Profs in den Arsch getreten die
an den Universitäten als parteipolitisch (Politik) nicht mehr
brauchbar über Beziehungen abgesetzt wurden. Die
blödesten Schwätzer aller Zeiten trifft man da :-(
Die Architektenausbildung wie ich sie kenne ist schlichtweg
in weiten Teilen unbrauchbar von Theorieidioten
und weltfremden Spezialisten ohne Bezug zum Ganzen
oder zur praktischen Realität.
Eine Studienreform müßte den Studenten erst mal konkretes
praktisches Wissen vermitteln. Darauf kann man dann
"Spezialitäten" aufbauen. aber da keiner mehr dort den
Überblick über die *wesentlichen* Kenntnisse eines
*praktischen* Broterwerbs im Job zu haben scheint wohl ein
frommer Wunsch.
Die Ausbildung schafft zuviel reales Leid als daß ich an ihr ein
gutes Haar lassen könnte :-(
Grummel, schnaub. Manchen Profs könnte ich heute noch
die arrogante Schnauze polieren ... :-(
Gruß
Tobias


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PostPosted: 2001-05-18 17:07:41
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Joined: 2001-05-18 17:07:41
Praxisbeispiel: An der TU-Berlin ist mit der neuen Studienordnung das
Fach Baukonstuktion komplett weggefallen. Es gibt lediglich noch einen
Baukonstuktiven Entwurf als Pflicht. Woher man das dort anzuwendenede
Wissen kommen soll ist lieder nicht ganz klar.
Gruss Florian
> An der Architektenausbildung lässt Meinhard von Gerkan kein gutes

Haar: "Da wird ein unglaubliches Potenzial vergeudet",
> zürnt der Star der Bauwelt und plädiert für eine neue Struktur des

Studiums


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PostPosted: 2001-05-18 17:34:00
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On Fri, 18 May 2001 17:07:41 +0200, "Florian v. Behr"
<flor...@tweakcentral.de> wrote:

Hallo Florian,
>Praxisbeispiel: An der TU-Berlin ist mit der neuen Studienordnung das
>Fach Baukonstuktion komplett weggefallen. Es gibt lediglich noch einen
>Baukonstuktiven Entwurf als Pflicht. Woher man das dort anzuwendenede
>Wissen kommen soll ist lieder nicht ganz klar.

Dann bleibt nichts anderes als nebenher in einem Büro
zu arbeiten ... wenn auch erstmal an der Pausmaschine.
Wo an der "Front" gearbeitet wird, kriegt man einiges
mit - auch wie mans dann selber mal besser nicht macht :-)
Viel Glück
Tobias


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PostPosted: 2001-05-18 17:54:21
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Joined: 2001-05-18 17:54:21
Die Weimarer Lösung ist da auch nicht besser:
- Baukonstruktion nur in den ersten 2 Semestern (sind 6 oder 8 SWS), vor
Urzeiten waren es mal 5 Semester. Es gibt dann zwar noch
Tragwerkskonstruktion, Bauklimatik und solche Dinge. Aber das ist zuwenig
Bauko, eindeutig. Der Lehrstuhl bietet zur Zeit nur einen Entwurf im
Hauptstudium an, weder irgendwelche zusätzlichen Seminare noch sonstwas.
- Statik/Tragwerkslehre wurde mit der neuen Studienordnung von 1999 von 16
auf 10 SWS reduziert. Zum Schluß kapiert die nächste Studentengeneration
nicht mal mehr, wie man auch nur überschläglich eine Betondecke für ein
Einfamilienhaus in der Dicke abschätzt. Ich hatte noch 16 SWS, und die waren
mir zu wenig, auch wenn die Prüfung ziemlich heftig war.
- Baustoffkunde ist nur mit 1 oder 2 SWS im 1. Semester dabei. Ein guter
Witz. Die Bauings hier beschäftigen sich mit etwa dem sechs- bis achtfachen
dieses Pensums.
Zum Schluß kommen dann entwerferisch höchstbegabte Arbeitslose raus aus dem
Studium, die im Büro erst lernen, wie es wirklich läuft. Oder warum kommt
man sonst noch auf solche Ideen wie den "Architekt im Praktikum" ?
Es soll ja viele Profs gegeben haben, die nach den Vorschlägen des
Wissenschaftsministeriums NRW, daß sie mindestens 3,5 von 5
Arbeitstagen/Woche an ihrem Uni-Arbeitsplatz zu erreichen sein sollten,
sehr, sehr stinkig waren.
Entschuldigung für die Polemik, aber das mußte mal raus... ;)
Viele Grüße
                Mathias


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PostPosted: 2001-05-18 18:27:31
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Joined: 2001-05-18 18:27:31
"Florian v. Behr" schrieb:
> Praxisbeispiel: An der TU-Berlin ist mit der neuen Studienordnung das
> Fach Baukonstuktion komplett weggefallen. Es gibt lediglich noch einen
> Baukonstuktiven Entwurf als Pflicht. Woher man das dort anzuwendenede
> Wissen kommen soll ist lieder nicht ganz klar.

Hallo Florian,
komplett weggefallen ? Wie Du schon schreibst: Einen als Pflicht. Es
steht Dir nicht nur frei, weitere zu machen, sondern Du bist im Rahmen
Deiner vielen Wahlfächer sogar fast dazu gezwungen - oder willst Du
alljährlich bei Meister Koeppel Ölbilder malen? Allerdings halte ich
eine rein technische Ausbildung wie bisher nicht für sinnvoll.
Architektur ist für mich Entwurf in technischer Umsetzung. An der TU
Berlin gab's vor zehn Jahren das genaue Gegenteil: Das punktuell tiefe
Fachwissen zu einem ansprechenden Entwurf zusammenzubringen (oder
andersherum) wurde kaum gelernt, ob sich's lehren läßt weiß ich nicht.
Gelernt habe ich's jedenfalls erst im Büro. Insofern erscheint mir eine
stärkere entwurfliche Orientierung sehr sinnvoll, hat doch praktisch
jede Entscheidung im Entwurf-, Planungs- und Bauprozeß gestalterische
Folgen, die zu bewußt zu kontrollieren wir in der Lage sein sollten.
So, jetzt lese ich aber erstmal den Bezugsartikel, damit ich weiß,
worüber wir reden.
Gruß, Wolfgang


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PostPosted: 2001-05-18 19:12:48
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On Fri, 18 May 2001 17:54:21 +0200, "Mathias Mildenberger"
<mathias.mildenber...@archit.uni-weimar.de> wrote:

Hallo Mathias,
damit mein Beitrag nicht zu polemisch ist
einen Ausbildungsvorschlag wie er mir im
Nachhinein sinnvoll erscheint :
Und zwar ein alle Disziplinen übergreifendes
Fach wo anhand eines ganz einfachen Häuschens
das gesamte Leistungsbild "Architektur" und "Statik"
einmal auf einfachste Weise durchgespielt wird
gleich zu Beginn.
Grundzüge Entwurf, Baurecht, Baukonstruktion,
Statik, Haustechnik, Bauphysik, Baustofftechnologie,
Ausführungsplanung, ne ganz primitive Ausschreibung.
Und dann wäre es gut wenn die Studenten aus jedem
Startsemester jeweils ein solches Winzhaus zur
Krönung selber bauen.
Damit entsteht mit jedem neuen Jahrgang wieder
eine kleine Studentenbude, wo dann jemand
hinterher einziehen kann. Zudem könnten Rollen
wie "Architekt", "Bauleiter", "Handwerker"
trainiert werden. Und in der Praxis die Planung
auf Durchführbarkeit überprüft werden :-)
Das ganze könnte natürlich auch mal mit einem
klenen Schwarzbau und den daraus resultierenden
Kosenquenzen garniert werden. Oder der Prof.
versagt die Baugenehmigung - und ihr müßt gegen
ihn klagen. So können schon erste Vertiefungen
zu "Problemen" stattfinden. Oder er setzt euch
einen beschissenen Bebauungsplan vor und die
Studenten müssen den anfechten, etc. Viel
Potential für Späßiges :-)
Ich bin sicher, daß die benötigten Baustoffe von
Unternehmen gesponsert würden :-)
Für die Statik würde erst mal reichen wenn man mit
ganz einfachen Bemessungstabellen anfängt - nur
um einen gefühlsmäßigen Bezug zu den erforderlichen
Querschnitten zu bekommen.
So hat dann jeder einen "roten Faden" an den er die ganzen
Vertiefungen anhängen kann. Vieles erschließt sich
nämlich erst wenn man es konkret in den Zusammenhang
setzen kann, einen emotionalen Bezug hat.
Dieser "rote Faden" ist meines Erachtens wichtig um
gewinnbringend zu studieren ... und auch zum Erkennen
wo man hin will :-)
Gruß
Tobias
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PostPosted: 2001-05-18 19:36:54
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Joined: 2001-05-18 19:36:54
nino schrieb:
> damit mein Beitrag nicht zu polemisch ist
> einen Ausbildungsvorschlag wie er mir im
> Nachhinein sinnvoll erscheint :
> Und zwar ein alle Disziplinen übergreifendes
> Fach wo anhand eines ganz einfachen Häuschens
> das gesamte Leistungsbild "Architektur" und "Statik"
> einmal auf einfachste Weise durchgespielt wird
> gleich zu Beginn.
> Grundzüge Entwurf, Baurecht, Baukonstruktion,
> Statik, Haustechnik, Bauphysik, Baustofftechnologie,
> Ausführungsplanung, ne ganz primitive Ausschreibung.

snip
> Dieser "rote Faden" ist meines Erachtens wichtig um
> gewinnbringend zu studieren ... und auch zum Erkennen
> wo man hin will :-)
> Tobias

Hallo Tobias,
Deinen Vorschlag finde ich super. Die von mir im anderen thread
kommentierte Studienordnung sieht auch genau das im Grundstudium als
Ausbildungsbasis vor. Einschränkend muß ich allerdings zugeben, daß das
(meistens allerding eher Mehr-) Familienhaus dann doch nicht gebaut
wird, wobei gegen den Bau garnichts spricht. Deine Planspiele zu B-plan
und Baugenehmigung gehören übrigens an der TU Berlin auch zur Ausbildung.
Die im Interview mit MvG konstatierte mangelnde Praxiskenntnisse sind
sicherlich richtig. Aber mit der Qualifikation _Maurer_ würde er mich
doch nie einstellen. Abgesehen davon, daß es in vielen der Häuser seines
Büros null Mauerwerk gibt. Er kann jedoch kaum ernsthaft erwarten, daß
Absolventen enzyklopädisches Wissen über alle heute gebräuchlichen
Baustoffe mitbringen, wovon sie dann je nach Büro aber nur wenige
Promille je aktiv benutzen.
Insofern sollte das Studium beispielsweise im Bereich Baustoffe primär
exemplarisch die Beschaffung, Sichtung und Bewertung derartiger
Informationen vermitteln.
Wolfgang


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