[ Vorbemerkung: Damit der Artikel nicht noch staerker "zerquotet"
wird, versuche ich mal eine Zusammenfassung am Anfang. Auf Einzel-
aspekte gehe ich gesondert ein. Wiederholungen habe ich nach
Moeglichkeit entfernt.
Ich habe das Followup-To mit Bedacht entfernt. Ich sehe das Problem,
im Gegensatz zu Dir, nicht als ein rein finanztechnisches, eher als
eine Verlaengerung des Kommunismus/Knappheits-threads auf einem
Seitenzweig. Mit scheint daher ein X-Posting angemessener.]
Ich hatte in meinem Expose am Anfang behauptet, der Zusammenbruch von
Barings Bros infolge der Spekulationen eines Angestellten sei entgegen
der gaengigen Interpretation nicht nur als ein bedauerlicher Betriebs-
unfall im Finanzgeschaeft, sondern im Grunde als Krisensymptom zu
sehen.
Ich hatte als Begruendung fuer diese These angefuehrt, dass das
Spekulationskapital im Finanzsektor zunaehme, was man u.a. daran sehen
koenne, dass sich der Aktien/Immobilienpreis (oft) weit von der
betriebswirtschaftlichen Vernutzungserwartung (i.e. Dividende/Miete
usw.) entfernt hat und diese Dinge im wesentlichen auf eine (erhoffte)
Preisentwicklung hin gekauft werden.
Thomas brachte darauf folgende Einwaende:
- Termingeschaefte dienten ueberwiegend der Sicherung im
"normalen" Kapitalverkehr.
- Die "nomalen" Aktien- und Immobiliengeschaefte seien nicht
spekulativ.
>>>>> "ThD" == Thomas Deck
<h...@rz.uni-karlsruhe.de> writes:
In article <3j4b05$...@nz12.rz.uni-karlsruhe.de>
h...@rz.uni-karlsruhe.de (Thomas Deck) writes:
ThD> Achtung, Followup-To: de.etc.finanz
Habe ich entfernt, Begruendung oben.
ThD> Woher wei_t Du das. M|ssen die Kdufer von Optionen (und
ThD> Dhnlichem) einen Fragebogen ausf|llen, auf dem sie erkldren, ob
ThD> sie spekulieren oder absichern wollen?
Nein, das muessen sie nicht. In D'land muessen sie nur einen Zettel
ausfuellen, dass sie von ihrer Bank ueber die Risiken des Geschaefts
aufgeklaert worden sind. Warum wohl, wenn doch alles nur der Sicherung
dient?
ThD> Das Sicherheitsbed|rfnis [auf dem Kapitalmarkt -muepf] wdchst
ThD> nicht. Geldanlage ist mittlererweile international, und da gibt
ThD> es eben Kursrisiken, die im nationalen Geldverkehr eben nicht
ThD> auftreten.
Woher kommen denn die Kursrisiken auf dem Devisenmarkt Deiner Meinung
nach? (Und die Preisschwankungen auf dem Rohstoffmarkt?) Mir ist
raetselhaft, warum Du einerseits einraeumst, dass die offenbar neuen,
weil erst mit der Internationalisierung des Kapitalmarktes
auftretenden Risken, zwar vorhanden sind, andererseits aber kein neues
Sicherheitsbeduerfnis hervorrfen sollten.
[ ... ]
ThD> Das scheint Dein Hauptirrtum zu sein [Aktien- und
ThD> Immobilienkaeufe fuer spekulativ zu halten -muepf].
[ ... ]
|> Du verstehst mich (bewusst?) falsch. Mein Haupargument ist, dass
|> die Gewinnlogik der Warenwirtschaft dazu fuehrt, dass in
|> zunehmendem Masse Kapital (Geld) "uebrig", dass sich
weder
|> profitabel investieren noch zinsbringend verleihen (i.e. durch
|> andere profitabel investieren) laesst.
ThD> Aus Sicht des Anlegers ist Aktienkauf genauso profitabel wie
ThD> festverzinsliche Anlagen. Das hat mit Spekulation noch nichts zu
ThD> tun.
Wenn ich einen Weltmarkt-Anlagefonds gruende, in dem ich alle auf der
Welt verfuegbaren Aktien (z.B.) hinneinnehme, hast Du Recht, dann ist
die spekulative Komponente Null. Dann bekomme ich genau die
Durchschnittsrendite. Genau das will der clevere Anleger aber
vermeiden, er will eine hoehere Rendite als die durchschnittliche
erzielen. Mehr Geld fuers Geld gibt es nur gegen mehr Einsatz -- in
diesem Falle mehr Risiko. In meinen Augen Spekulation.
|> Das fuehrt ganz automatisch zu einer Zunahme der Spekulation auf
|> dem Kapitalmarkt.
ThD> Nein, die kommt nur von Leuten, die sowohl zuviel Geld als auch
ThD> zuviel Zeit haben. Das ist wie beim Roulette oder beim
ThD> Pferderennen. [ ...] Auf alle Fdlle wird summ summarum an der
ThD> Terminbvrse weniger Geld verdient als ausgegeben wird.
Na ja. Zum einen hast Du Recht -- wie in Monte Carlo die Bank am
"zero" verdient, verdienen an den Terminborsen die Banken an den
Gebuehren. ;-)
Zum anderen bestaetigst Du damit mit Deinen Worten meine
Ausgangsthese: Geld das sich nicht anders sinnvoll investieren laesst,
fliesst in die Spekulation.
|> Zuerst macht sich die Spekulation auf dem Immobilienmarkt
|> breit. Wenn dieser erschoepft ist, kommt der Aktienmarkt.
ThD> Ich hab's doch schon mal erkldrt: Dieser Mechansimus des sich
ThD> Ausbreitens von festverzinslichen Anlagen auf Aktien und
ThD> Immobilien hat vor allem zwei Gr|nde:
ThD> -
Diversifikation
ThD> - Steuern
sparen
Diversifikation -- wie in meinem World-Investment-Fond weiter oben auf
die Spitze getrieben -- ist das genaue Gegenteil der Spekulation, das
stimmt.
Warum sich aber auf diese Weise Steuern sparen lassen, wirft sofort
die Frage auf, warum die Steuergesetze so sind, dass sie genau den
Aktien- und Immobilienerwerb beguenstigen. Ich behaupte mal
boeswillig, das hat die maechtige Finanzlobby aus Profitinteresse
durchgesetzt. Weil sie -- aus o.g. Gruenden! -- eine Erleichterung der
Immobilien- und Aktiengeschaefte haben wollte.
ThD> Mit Spekulation hat das nichts zu tun. Frag einfach mal
einen
ThD> erfolgreichen Unternehmer. Der hat doch gar keine Zeit zum
ThD> Spekulieren. Er sieht aber, wie seine Gewinne erst besteuert
ThD> werden, und wenn er den Rest dann zur Bank bringt, werden die
ThD> Zinsen auch noch besteuert. Also fragt er seinen Steuerberater,
ThD> was man da machen kann. Steuerberater rdt: Kauf eine
Immobilie
ThD> oder leg Dein Geld breit gestreut in Aktien an.
Daran sehen wir vor allem: der Unternehmer hat Geld, das er jetzt
nicht braucht, [Keine Angst, ich will es ihm gar nicht wegnehmen. ;-)]
weil er es in seinem Unternehmen nicht mehr profitabel investieren
kann. Das wird zum vagabundierenden Kapital.
|> Nicht von vorneherein, aber in vielen Faellen, geschehen Aktien-
|> und Immobilienerwerb aus spekulativen Gruenden. Mit zunehmender
|> Tendenz.
ThD> Also nochmal: Woran erkennst Du diese "zunehmende
Tendenz"?
Z.B. sieht man das an der Immobilenpreisentwicklung. Deren Preise
gehen schneller in die Hoehe als die Inflationsrate, als das
Bruttosozialprodukt, als die Gewinne aus unternehmerischer
Taetigkeit. [Kann ich augeblicklich nicht mit Zahlen
unterfuettern. Sorry, das Statistische Bundesamt hat keinen
WWW-Server.] Warum wohl?
|> Was man uebrigens "eigentlich" schon daran sehen
muesste, wie sehr
|> die aktuellen Aktien-, Renten- und Devisenkurse von
|> psychologischen Faktoren und wie wenig sie inzwischen von der
|> realen wirtschaftlichen Leistungsfaehigkeit eines Unternehmens
|> oder einer Volkswirtschaft abhaengen.
ThD> Kurzfristig. Langfristig sieht es ganz anders aus.
Waren wir nicht vom Derivatgeschaeft ausgegangen? Das ist doch
kurzfristig, oder nicht?
|> [ ... ]; so werden z.B. in D'land m.W. Spekulationsgewinne aus
|> Immobilienverkaeufen nicht versteuert, wenn man laenger als eine
|> gewisse Zeit (2 Jahre?) im Besitz dieser Objekte gewesen ist.
ThD> Dann ist es ja auch keine Spekulation mehr.
Warum nicht mehr?
|> Auf dem Aktienmarkt beobachten wir, dass bei vielen Titeln die
|> Realrendite (aka Dividende) kaum eine Rolle gegenueber der
|> Kursentwicklung spielt.
ThD> Realrendite = Kursentwicklung + Dividende - Geb|hren
ThD> Dividende ist vvllig unnvtig. Wenn ein Unternehmen keine
ThD> Dividende zahlt, vergrv_ert sich eben der Wert des Unternehmens,
ThD> entsprechend steigt der Kurs.
Definitionsfrage. Ich hatte *REAL*rendite geschrieben. Das ist eher
der Unternehmensgewinn pro Kapitaleinsatz. Was Du beschreibst, stellt
die (etwas kurzsichtige) Perspektive des Anlegers dar. Ich betone
nochmal, dass ich die Sache eher sehr volkswirtschaftlich
sehe. Weshalb die Diskussion nach d.s.p und nicht nach d.e.f
gehoert. Was mich ueber solche "peanuts" wie Transaktionskosten
(i.e. Bank/Boresengebuehren) mal grosszuegig hinweg sehen laesst.
In der Kursentwicklung spiegelt sich der *fiktive* Wert -- derjenige,
den die Boersianer *vermuten* -- wieder. Nicht der tatsaechliche
Wert.
|> Immerhin ist uebersteigt das Gesamtvolumen der Termingeschaefte
|> das GNP der USA etwa um das dreifache.
ThD> Logisch. Die Welt besthet ja nicht nur aus den USA.
Die USA produzieren lt. CIA World Fact Book 1993 etwa 23% des
Welt-Bruttosozialproduktes (GWP - gross world product) (weitere 23%
die EU, Japan 20%). Ueber die Daumen betraegt also das Volumen in den
Termingeschaeften 3/4 des GWP.
Angesichts der Risiken in den Termingeschaeften -- die Du beharrlich
betreitest -- wird mir bei dieser Zahl Angst und Bange. Wenn man die
weltweite Vernetzung im Finanzsystem beruecksichtigt, kann unter
unguenstigeren Bedingungen eine Aktion wie von diesem Leeson eine
Kettenreaktion mit einem veritablen Boersencrash hervorrufen.
[Frag mal jemanden, der etwas nichtlinearen, dynamischen Systemen
versteht, was in so einem Fall alles so passieren
kann. Alles. Frueher, vor dem Computerzeitalter, als das Herz der
Boerse allenfalls im Takt der Fernschreiber schlug (50 Baud ;-), war
alles noch nicht so schlimm. Boersenturbulenzen waren eher lokal
begrenzt und haben sich nicht so blitzartig ueber den ganzen Erdball
ausgebreitet. Vieles war ueberschaubarer und die Konsequenzen einer
Einzelhandlung u.a. noch zu uebersehen. Aus dem Paradies hat uns der
erbarmungslose Fortschritt unwiederbringlich vertrieben. Nota bene hat
das Derivatgeschaeft erst angefangen sich auszubreiten, als sich der
Computerhandel von Wertpapieren ausgebreitet hat. Warum wohl?]
Und wenn das passiert, verlieren nicht nur ein paar wahnsinnig
gewordene Banker ihre huebsche Yacht und ihr Schloesschen in
Schottland. Da gibt es dann richtig Verlierer und es stehen ploetzlich
produzierende Unternehmen vor dem Aus. So wie es beinahe der
dt. Metallgesellschaft gegeangen waere.
In so einem Fall werden dann "ordentlich" Arbeitsplaetze und
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