Hallo,
"Martin Busik" schrieb :
> Hallo NG,
> der Grundtenor in dieser NG zum o.g. Thema ist mir bekannt,
Auch ich verfolge die Beiträge in dieser NG mehr oder weniger aufmerksam.
Eine tendenzielle "Marschrichtung" pro oder contra Wohneingentum ist
mir
allerdings nicht aufgefallen. Richtig ist wohl, daß die Postings in der
Regel nicht so überschwenglich daherkommen wie die Bausparkassenwerbung im
Fernsehen. Je mehr man sich mit der Thematik beschäftigt, desto eher wird
man diese häufig im positiven Sinne kritische aber selten miesepetrische
Diskussion zu schätzen wissen.
Eine ganz eindeutige Meinung für oder gegen privates Wohneigentum kann es
schon allein deshalb nicht geben, weil der Wohnungsmarkt (Miete und
Eigentum) relativ frei von staatlichen Einflüßen (Subventionen und
Sanktionen) den Bedingungen von Angebot und Nachfrage folgt. Der vereinbarte
Preis für Miete oder Eigentum ist unter solchen Bedingungen - abgesehen von
Ausnahmen - grundsätzlich als fair zu bezeichnen. Da man bei einem solchen
Handel nun wirklich nichts geschenkt bekommt, andereits (meistens) auch
nicht über den Tisch gezogen wird, wäre eine allgemeingültiger Grundtenor -
in welche Richtung auch immer - schlicht Blödsinn.
Ob privates Wohneigentum die richtige oder falsche Lösung darstellt,
ist
immer eine von vielen Faktoren abhängige Einzellentscheidung.
> mich würden eure Meinungen
> zu einem speziellen Aspekt so einer Entscheidung interessieren.
> Ich bin verheiratet, wir haben ein Kind (eigentlich einen jugentlichen)
16J.
Der Benedikt Hotze hat es ja schon erwähnt, bei einer veränderten
familiären
Situation (Das "Kind" könnte bald ausziehen)
ergeben sich auch häufig Änderungen in den Wohnbedürfnissen. Dieser Umstand
dürfte eher für eine Mietwohnung sprechen.
> Wir wohnen z.Zt. in einer Mietwohnung mit einer monatlichen
Nettokaltmiete
> von ca. 600 EUR.
> Unser Problem ist, daß wir mehr Platz brauchen, d.h. wir müssen uns was
> neues suchen.
> Mietobjekte in der von uns gesuchten Größe in unserer Umgebung kosten
zw.
> 1000,- und 1300,- EUR
> Kalt/Monat. (Den Standort wollen wir nicht ändern).
Der Finanzierungsaufwand (Förderung beachten) dürfte sich bei gleicher
Wohnqualität ungefähr in der gleichen Größenordnung wie die Kaltmiete
bewegen. An dieser Position ist auf den ersten Blick kein Vor- oder Nachteil
für Mieteigentum bzw. Wohneigentum erkennbar (Genau nachrechnen. Die
Verwurzelung mit dem Standort läßt es zu, sich stärker an diesen Ort zu
binden. Das Wiederum spricht eher für den Wohnungskauf.
> Kaufobjekte in der von uns gesuchten Größe kosten in unserer Umgebung
zw.
> 210 und 260 TEUR,
> wir haben so gut wie kein Eigenkapital (<10 TEUR)
Privates Wohneigentum wird fast immer auch mit der Masche "Kaufen Sie sich
ein Stück Sicherheit" angeboten. Wenn die Finanzierung jedoch nicht
aufgeht,
bleibt am Ende ein Scherbenhaufen. Tausende von Zwangsvollstreckungen
sprechen eine deutliche Sprache. Ist das Eigenkapital gering, wächst dieses
Risiko überproportional. Finanzieren mit geringen Eigenkapital ist möglich.
Die besonderen Risiken sollte man sich jedoch verdeutlichen.
Das in diesem Fall geringe Eigenkapital spricht also eher für die
Mietwohnung.
> Wenn wir uns für ein Mietobjekt entscheiden, dann wird wahrscheinlich
kaum
> was für Sparen
> (Bausparen oder Fonds) übrig bleiben. Wenn wir uns für Kauf
entscheiden,
> dann bleibt mit
> Sicherheit nichts mehr fürs Sparen übrig.
Wie oben bereits geschildert, muß die absolute Belastung der Finanzierung
nicht unbedingt höher sein als die Miete. Allerdings gilt es zu
berücksichtigen, daß der Immobilieneigentümer sparen *muß*, ob er will
oder
nicht. Andernfalls hat er bei der ersten größeren Reparatur (Heizung, Dach)
ein riesiges Problem. Vor allem dann, wenn wenig Eigenkapital vorhanden ist.
> Die Optionen stellen sich für mich so dar:
> - wenn wir ein Objekt mieten, dann bauen wir kein Vermögen auf (weil
nichts
> zum sparen übrig)
> - wenn wir ein Objekt kaufen, ist zwar die Rendite schlecht, aber man hat
> zumindest irgendetwas an Vermögen aufgebaut
Nun kann natürlich vorzüglich darüber gestritten werden ab welcher Summe von
einem "Vermögen" gesprochen werden kann. Es gibt jedoch entgegen
landläufiger Meinung keinen Automatismus, der zu sicheren Wertsteigerungen
bei Immobilien führt. Mit dem dynamischen Veränderungsprozessen innerhalb
unserer Gesellschaft verändern sich auch die Wohnbedürfnisse. Wer diese
Bedürfnisse nicht bedienen kann, wird auch keine Wertsteigerung seiner
Immobilie erleben. Nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch in Teilen
Westdeutschlands stehen ganze Wohnviertel vor dem Abriß weil dort kein
Mensch mehr leben will. Der Wert dieser Wohnungen tendiert trotz teilweise
erheblicher Investitionen gegen Null. Wer allerdings auch künftige
Wohnbedürfnisse auf der Nachfrageseite bedienen kann, darf in der Tat auf
eine gute Rendite hoffen.
> Wie seht ihr das?
Was mich noch interessiert ist die Frage nach der Herkunft der Finanzmittel
für die jetzt viel teurere Wohnung. Die künftige Miete (bzw.
Finanzierungsaufwand) soll ca. 1000,- bis 1300,- EUR betragen. Da die
bisherige Miete lediglich 600,00 EUR beträgt und die Differenz nicht gespart
wurde (Sonst wäre das Eigenkapital höher) müßten die privaten Ausgaben
künftig stark eingeschränkt werden oder es stehen zusätzliche, hier noch
nicht genannte Gelder zur Verfügung.
--
Mit freundlichen Grüßen
Robert Hadasch
Beratung für Immobilienfinanzierungen
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