Klaus Angsthase wrote:
Hallo Klaus,
danke für Deine Gedanken.....
mir ist klar, dass mein Geschreibsel widersprüchlich ist, sein muss.
Daran ändert auch nichts, dass ich versuche, mich widerspruchsfrei
auszudrücken, denn mein Bedürfnis nach Klarheit durch Wahrheit ist ja auch
da. Der Kopf versucht, vieles zu verstehen, um die gefühlsmässigen Vorgänge
irgendwo als "gefahrlos" abhaken zu können, denn er produziert
schnell
angsterzeugende Gedanken, wenn ers nicht mehr blickt.....
aber es nützt nix, es ist und bleibt wie es ist - verwirrend.
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> > Durch die Traumatherapie erlebe ich auch einen Teil meiner
Erinnerungen
> > neu. Die Gefühle von damals wertfrei zu entdecken ist sehr sehr
schwer
> > und braucht viel Zeit.
> Gefühle _sind_ Ausdruck innerer Wertung! Ein Gefühl _ist_ oft die
bloße
> Wertung eines Erlebens als gut oder schlecht! Will man diese Wertung
> unterdrücken, dann muß man die Gefühle an sich unterdrücken.
Ok, ein Gefühl enthält eine Wertung im Sinne von "angenehm" oder
"unangenehm", oder "gut" und "schlecht".
Mir geht es darum, das Gefühl selbst nicht zu werten, also das Gefühl nicht
mit dem Kopf zu beurteilen. Das versuche ich, aber es gelingt nur
zeitweise. Aber schon allein vom zeitweisen Gelingen dieses Versuchs
profitiere ich unheimlich.
Es hat mich zutiefst innerlich bestätigt, dieses sexuelle Gefühl im
Zusammenhang mit einigen bestimmten Erinnerungen einmal _auszuhalten_, ohne
dass der Kopf sagte: "Das ist ja furchtbar" "Was fühle ich
denn da für eine
Scheisse" "um gotteswillen, habe ich das damals etwa auch
gefühlt" "bin ich
etwa selbst so veranlagt".
Einmal mich erinnern und nichts dergleichen im Kopf hören. Nur das Gefühl
kommen lassen und die Bilder anschauen, keine Wertung, nichts, nichts,
nichts. Das bin ich, einfach so, egal ob ich das nachher Scheisse finden
werde oder nicht - aber jetzt schau ichs mir in Ruhe an und halte dieses
Gefühl aus, wie auch immer ich es hinterher bezeichnen werde.
Es hat mich froh gemacht dass das ging. Das gibt mir mehr, als mir Sorgen
zu machen, warum ich so fühle.
> Ausschnitt der Sammlung Deiner Zitate
[gesnipt]
> die mir Sorge machen weil Du Dich
> _so sehr_ Durch Deine S.ualität damit definierst !?
Diese Sorge habe/hatte? ich auch. Sie hat mich daran gehindert, das Gefühl,
wie es nun mal ist und sein will, sein zu lassen. Darin steckt ja beides:
Etwas sein lassen, heisst, es zulassen, und es loslassen können.
> [snip...]
> > Ich hab mir das angesehen und versucht, es nicht zu bewerten, bzw zu
> > einer Bewertung zu kommen, die positiv ist. ...
> Also wertfrei ist es demnach dann wenn man _nicht_ bewertet oder
_positiv_
> bewertet. Das negative Empfinden wird also ignoriert und verdrängt
oder
> zumindest nicht zugelassen. ... kann das denn richtig sein???
Die Bewertung, ob positiv oder negativ, kommt aus dem Kopf. Negative
Bewertungen sind ja da schon ohne Ende im Kopf. Von denen rede ich jetzt
mal nicht. die haben schon lange genug gewirkt und wenig gutes bewirkt.
Ich wollte eben mal wissen, was passiert denn, wenn ich jetzt auch mal ne
positive Bewertung zulasse. Kann es überhaupt eine positive Bewertung geben
- für _solche_ Gefühle bei _solchen_ Erinnerungen? Warum eigentlich nicht?
Ein gedanklicher Prozess. Mit der Folge, dass ich mich nachher besser
kennenlerne, mich mehr akzeptieren kann, mich stärker, unabhängiger,
neugieriger auf mich selbst fühle.....warum nicht?
Noch besser fände ich - und ich versuchs immer wieder mal, ob es geht -
Gefühle _gar nicht_ mit dem Kopf zu bewerten.
(Falls Du jetzt fragst, warum denn: z.B. deshalb, um die dem Gefühl
innewohnende Bewertung zu finden und zu leben, also es nicht mehr länger
mit dem Kopf zu unterdrücken)
Aber das kann ich jetzt noch nicht, oder nur kurzfristig. Wenn die eine
Seite der Polarität (negative Gedanken) schwer besetzt ist, dann ist der
Weg zur (wertungsfreien) Mitte so herzustellen, dass die positiven Gedanken
genauso stark werden. Mit Bewertung und Gegenbewertung allein ist es nicht
getan, das ist Kreislauf ohne Ende.
Das Bild mit der Waage, das sich mir die ganze Zeit schon aufdrängt, ist
vielleicht gar nicht so verkehrt. Die eine Seite ist voll mit negativen
Gedanken/Bewertungen/den dazugehörigen Gefühlen. Ok, damit hab ich ganz
lang gelebt, und versucht, den Ausgleich in der anderen Waagschale über
alle möglichen Kompensationen herzustellen. Ging ja auch, mal recht, mal
schlecht, viele Jahre lang.
Irgendwann werd ichs vielleicht auch verstehen, warum das mit den
Kompensationen irgendwann nicht mehr ging, und alles, was ich in die
positive Waagschale geschaufelt hab, immer bloss verdunstet und
verflüchtigt ist. Ich weiss es auch nicht, wieso, aber es kam so und ich
musste handeln. Denn ich kann nicht leben, wenn die Waage nicht
ausgeglichen ist. Ich bin nicht handlungsfähig und kann meiner
Verantwortung, die ich fühle, nicht nachkommen.
Meine Therapeutin hat schon genau nachgefragt, was ich denn da alles so in
die positive Waagschale schaufeln wollte. Kompensationen, oder ein
wirkliches, adäquates Gegengewicht zu der anderen Waagschale?
Bis ich irgendwann gesagt hab, ok ,ich gebs auf. Ich schau mir jetzt an,
was in dieser scheissdunklen, schrecklichen traurigen Waagschale drin ist.
Damit ich endlich die adäquate, haltbare, dauerhafte andere Seite finde.
Eine stabile Mitte finde. Mehr will ich doch gar nicht.
Naja, und nun schau ich da ab und zu mal wieder genauer hin, z.B. im Rahmen
dieses strukturierten Redens über die traumatische Vergangenheit.
Ich brauch mir keine Kompensationen auszudenken für das was ich da sehe.
Das was durchs Hinschauen entsteht, hilft für das Gegengewicht, das fällt
alles in die "positive" Waagschale, langsam, aber ich hatte ja
vorher auch
viel Zeit. Wozu also Hast.
> > Ich hab mich entschlossen, die Erinnerungen so zu akzeptieren, wie
sie
> > da sind, und auch die Gefühle, die dabei entstehen.
> Da weiss ich nicht wie das gehen soll ... Du lässt ja das ganze wertende
> in der Erinnerung nicht zu oder versuchst das zumindest ... somit halt
ich
> es für unmöglich das sie dann so akzeptiert werden wie sie wirklich
sind
> ... oder versteh ich was falsch?
weiss auch nicht so richtig....ich denke mal, dieser Prozess ist am Anfang
und da wird sich noch eine ganze Menge dabei ändern.
Was ich versuche, zu unterdrücken, ist der gegenwärtige, heutige Impuls des
Kopfes, zu bewerten. Weil ich die Erinnerung, und die Gefühle, die sie
auslösen, so betrachten will, wie sie sind. Sonst versuche ich
eigentlich nichts zu unterdrücken.
> [snip...]
> > ... Es werden nicht die einzigen Gefühle sein, denn damals habe ich
> > anders gefühlt. ...
> > ... Denn _damals_ habe ich diese [s*xuelle] nicht gefühlt.
> ...also rückt heute gerade etwas weiter in den Vordergrund was Du damals
> gar nicht so empfunden hast ...
Genau. Eine für mich überraschende Wendung, aber es ist ja, wie Du
auch bemerkst, noch komplizierter....
> Zum Schluß aber hast Du _genau_ diese s*xuellen Gefühle als Folge
> seelischer Abstumpfung benannt und mit "Verzweiflung, Mutlosigkeit,
> Trauer, Wut, Qual und Unglück" gleichsetzt! Das _sind_ die
wertenden
> Gefühle die mir gerade in meinem "wertfreien" Zustand fehlen
...
Hmm....weiss nicht so recht was ich dazu sagen soll. Irgendwie kommt mir
das aber schon verdammt bekannt vor, es erinnert mich an was.
"Wertfrei",
das hab ich lang mit "wertlos" verwechselt. Da hab ich mich lang mit
vor
meinen Gefühlen (und ihren schmerzvollen Schreien) gerettet.
Wertlos...wertfrei...
> Ich find nicht erstrebenswert ... wenn ich die negativen Gefühle nicht
> beachten
> will ist da immer noch nichts positives ... es bleibt so ein Vakuum in
der
> Mitte...
> Twilightzone nenn ich das ... weil es für mich etwas gruseliges hat wie
> gerade
> zur Zeit ... vielleicht versteh ich deswegen so manches gerade nicht?
da können wir uns die Hand geben in dieser Zone...es stimmt, die negativen
Gefühle nicht beachten (im Sinne von "ent-werten") schafft kein
positives
Gegengewicht.
Ich meins auch nicht so, ich denke mal da hab ich ein Riesenmissverständnis
erzeugt, und hoffe, dass ich es mit den Kommentaren jetzt besser
ausgedrückt hab.
> [snip...]
> > Gedanken können niemals Opfer sein, denn wir wählen sie uns
freiwillig.
> Gedanken sind auch Folgen von erlebten ... wenn das Erlebte nicht
> freiwillig war, dann ist das Zurückdenken daran ebenfalls nicht
freiwillig
> für mich! Du hast recht, daß man sie allerdings beeinflussen kann ...
man
> kann sie z.B. verdrängen weil sie Gefühle zur Folge haben ...
Man kann Gedanken nicht wirklich verdrängen, sie suchen sich dann eine neue
Wirkungsebene. Man kann sie, wenn es z.B. Befürchtungen sind (Achtung
klassische VT :-)); ernst nehmen, auf Realitätsgehalt überprüfen und
ändern, also an die Realität anpassen. Damit ändert sich auch die das
Gefühl, das die Befürchtung begleitet, von Angst in......Selbstvertrauen
z.B. Oder in Vorsicht. Oder in gesunde Skepsis. Je nach dem was der
Realität tatsächlich angemessen ist.
Davon auszugehen, dass Gedanken freiwillig gewählt sind, ist auch wirklich
eine schwierige persönliche Entscheidung, die für die Flut an alltäglichen
Gedanken, die so auf mich einstürmen, so ganz auch nicht stimmt. Irgendwas
denkt in mir automatisch. Es ist eine mögliche Willensentscheidung, zu
sagen: Ok du automatische Denkmaschine, denk was Du willst - aber ob Du
damit Einfluss auf meine Gefühlsebene kriegst, das entscheide ich!
Klar stellt sich da die Frage - wer ist ich?
Egal. Ich übernehme Verantwortung für meine Gefühle, die sonst ständig
Opfer dieser Denkmaschine bleiben. Ich sag stopp. Denk was Du willst, aber
wenns an mein Gefühlsleben geht,
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