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Felix hat folgendes geschrieben:
Aus den Innenansichten allein des Bildungswesens lässt sich
vieles ablesen über den Zustand der "Berliner Republik". Das bringt
mich
zwangsweise in Konflikt, weil ich - auch wenn man mir das weniger
"ansieht" -
dazu stehe, was ich bin: Kommunist. Entsprechend agitiere ich, was mir unter
anderem die Einsicht bringt, dass "Ostlehrer" sich nicht wirklich
von
"Westlehrern" unterscheiden, auch wenn sie eher nach links
tendieren.
Linkssein - das ist meiner Erfahrung nach oft nur Lippenbekenntnis und
Bauchmeinung.
Was den politischen Gehalt deiner Worte angeht, so würde ich gern dagegen
polemisieren, dass die BRD ein faschistischer Staat sei, ganz einfach, weil
dies den Hitlerfaschismus retrospektiv relativiert. Aber natürlich gibt es
den Trend einer Faschisierung nach innen, einer Schlußstrichpolitik, der
Revision der eigenen Geschichte und der Wiedergeburt der Volksgemeinschaft
als Zivilgesellschaft. Ich selbst bin noch nicht sehr lange politisch... vor
drei Jahren wurde ich eher zufällig Zeuge von Polizeigewalt gegen einen
meiner Freunde, der aus Ruanda stammt. Da macht man sich als junger Mensch so
seine Gedanken. Zunächst sah ich keine Handlungsperspektive und sah, dass die
radikale Linke alles andere als aktionistisch ist (abgesehen von ein paar
Demos). Das machte mich zum Anarchisten, und erst nach und nach las ich mir
Marx an, lernte andere junge Kommunisten kennen, schließlich auch die
Genossen der FDJ, die hier eine Gruppe vor Ort betreiben.
Die "Linie" der FDJ im Hinblick auf den Wehrdienst musst du heute
etwas
differenzierter betrachten. Klar ist: Ostdeutsche gehören nicht in einer BRD-
Armee. Allerdings wird es auch unterstützt, wenn man sich zur
antimilitaristischen Arbeit in der Truppe entschließt. Dann arbeitet man als
"trojanisches Pferd", als "Kryptokommunist", um dort
aktive Aufklärung zu
betreiben. Für mich kommt natürlich nur erstere Variante in Frage, ich werde
also verweigern und dafür in den Knast gehen. Das tun von uns so einige.
Viele Genossen sind übrigens gleichzeitig zur FDJ Mitglied in der DKP, KPD
oder PDS/KPF. Wobei ich mich persönlich mit keiner der drei Gruppen
anfreunden
kann: die DKP bezeichnet die USA als "Hauptfeind", die KPD jubelt
über jedes
Intifadaopfer und in der PDS erkenne ich den Reformismus, in dem ich mich nie
verfangen will. Etwas Pessimismus bleibt also bei allem Bewusstsein zurück,
und ein Rückgängigmachen der Annexion ist derzeit ziemlich unrealistisch.
An der Lage wird sich auch in den kommenden Jahren wenig ändern. Mut machen
mir da die vielen DDR-Logos wenig. Ich weiß, dass das entweder aus
Modegründen, "Coolheit" oder falscher Nostalgie getragen wird.
Dahinter sehe
ich nicht automatisch einen Protest oder eine tatsächliche politische
Meinung, auf die sich aufbauen ließe. Daher ist die Frage der Organisation
eine äußerst schwierige: viele sehen sich in Opposition zur BRD, aber bereit
zu kämpfen ist niemand - die Konsequenzen seien schließlich viel zu hart. So
bleibt nur ein kleiner Kern Aktiver in der FDJ - aber es ist ein Anfang, der
niemanden alleine stehen lässt. Und zum Glück wird hier in Sachsen weder das
Tragen des Blauhemds noch das FDJ-Logo allein geahndet.
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