Hi Heynz,
auf eine weitere Runde! :-)
>Die Kugel, die wirklich nur zur Warnung abgefeuert wurde,
>verliess den Lauf des Revolvers, prallte am Blatt der von Heinz
>geschwungenen, glitzernden Axt ab, wirbelte weiter durch die
>Luft, traf Herbert am Kopf, riss Herbert die halbe Schaedeldecke
>weg, wurde von einer Tischkante abgelenkt, traf eine Wanduhr
>genau an der Stelle, an der sich die Ziffer Elf befand und
>hinterliess dort ein dunkles, gaehnendes Loch.
He, he. Da geht's ja heiß zu! Ich schraube das Tempo nun wieder
runter, da es ja ein Experiment ist und ich Experimente liebe. :-)
Und los:
On Tue, 27 Jun 2000 22:35:34 +0100, "Heynz Hyrnrysz"
<Rainer.Ap...@gmx.de> wrote:
>So kam die Stahlplatte, die er nun, aus verstaendlichen Gruenden
>dringend wieder loswerden wollte, in Herberts Kopf.
Im kahlen Raum des Krankenhauses herrschte damals eine eigenartige
Stimmung. Herbert fühlte sich matt und schwer. Gerade eben der Narkose
entfleucht, erblickte er mit dem unscharfen Augenlicht eines
Erwachenden seine Mama auf dem Boden. Auch sie schien benommen zu
sein. Herbert fürchtete für einen Moment, sie hätte sich vollaufen
lassen und nun im Krankenhaus für Aufregung gesorgt. Mama?
Weiter erkannte Herbert schemenhaft Johanna Klappteller. Sie stand
stramm vor dem Bett, mit verschränkten Armen. Nur ihr Gesichtsausdruck
wollte nicht zu ihrer stämmigen Art passen. Verlegen blickte Johanna
zu Mama herunter und murmelte unverständliche Worte. Dann wieder sah
sie ihn mit strengem Blick an und warf ihm entgegen: Herbert, ruhig
liegen! Herbert sah ein dummes Huhn vor sich, dass sich nicht
entscheiden konnte, ob es Körner fressen oder andere Hühner verjagen
wollte. Vor lauter Ansinnen über die zu fällende Entscheidung schob
das Huhn den Kopf hin und her, zu den Körnern und zu den Artgenossen
und gluckte aufgeregt: das war Johanna Klappteller.
Mama krächzte am Boden. Das Huhn gluckte und halste mit eckigen
Bewegungen von hier nach da.
Herbert wollte die Augen wieder schließen und sich in den Schlaf
fallen lassen, als die Türe aufgestoßen wurde. Herbert wünschte, den
Eintretenden noch zu erfassen und öffnete seine Augen leicht. Es war
zweifelsfrei Mustafa Schmutzbichler, der in eine dunkle Lederjacke
gehüllt und mit einer Sonnenbrille getarnt, den Raum betrat. Herbert
erkannte sofort die "Kirsch-Selezione" in seiner Rechten.
Schmutzbichler stellte die Flasche geräuschvoll auf Herberts
Nachttisch. "Kirsch-Selezione" entfuhr es Schmutzbichler wie ein
einziger langgezogener tiefer Ton, dann erblickte er die ächzende Mama
auf dem Boden und blieb verwirrt stehen, während seine Hände in den
Jacken- und Hosentaschen nach irgend etwas suchten. Das Huhn gluckste
nun aufgeregt in drei Richtungen, immer von einer Person zur anderen.
Dabei scharrte es triebhaft auf dem Boden. Mama ächzte und kam nicht
hoch. Das Huhn scharrte immer verbissener und Schmutzbichler fand
einfach nicht das Gesuchte. Immer wieder kontrollierte er alle Taschen
seiner Kleidungsstücke.
Eine seltsame Stimmung herrschte im Krankenhaus an jenem Tag. Herbert
schloss die Augen und vernahm nichts mehr.
Ins Dunkel seiner Gedanken war ihm ein Lichtstrahl gefolgt. Während
die Metallplatte seinen Kopf schwer ins Kissen drückte, leuchtete der
Lichtstrahl weiche Wiesen und grüne Hügel aus. Der Lichtstrahl
verwandelte dunkle Nacht in freundliche Flüsse und Herbert begab sich
auf die erste große Reise, der noch so mache folgen sollte.
***
Die Sonne wurde schwächer. Allmählich zog sie sich zurück. Dennoch
blinzelte sie noch manches Mal über Bäume und Dächer hinweg. So
schnell würde sie das Himmelsfeld nicht räumen. Sie hatte Zeit. Viel
Zeit. Herbert nicht. Er musste Johanna Klappmesser finden. Besser
heute als morgen. So verwirrt das Huhn auch sein mochte, es würde sich
an die Platte erinnern und ihm helfen. "WELCHE PLATTE?" hallte es in
seinen Ohren nach. Der Arzt hatte vertrauensvoll seinen Arm um ihn
gelegt.
Keiner außer Mama und Johanna Klappmesser würde ihm glauben,
wenn er von der Stahlplatte erzählte. Nur Johanna Klappmesser konnte
die Platte wieder entfernen. Wo aber war Johanna Klappmesser? Herbert
wurde gedankenverloren vom Arzt zur Türe geleitet und nahm gar nicht
wahr, wie er zwischen den wartenden Patienten hindurch auf die Strasse
befördert wurde. Der frische Wind blies ihm kräftig um die Ohren und
Herbert schob schnell die Hände in die Hosentaschen.
Mit einem freundlichen Gruss
Franz